"Wo Himmel und Erde sich berühren"Eine Gemeinde gestaltet und baut ihre Kirche zu einem Ort der Begegnung mit Gott und den Mitmenschen um"Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt." (SC 28) Diese Botschaft des II. Vatikanischen Konzils sagt, dass nicht allein der Priester den Gottesdienst "feiert", sondern alle zum Gottesdienst versammelten Gläubigen. Dies war der Gedanke, von welchem wir - die Pfarrgemeinde Christkönig in Walldorf bei Frankfurt/M - bei der Renovierung unserer Christkönigskirche ausgingen.Der Kirchenbau war 1962 konsekriert worden. Mehr als 40 Jahre saßen die Gottesdienstbesucher in zwei großen Bankblöcken mit einem Mittelgang wie in einem Bus hintereinander und blickten zum Altar an der Stirnseite der Kirche. Und zwanzig Jahre nach der letzten Renovierung war eine Erneuerung fällig. Eine VisionSo haben wir 1998 einen Prozess ins Leben gerufen, der den Ideen des II. Vatikanischen Konzils und der Liturgiekonstitution Rechnung tragen sollte. Unsere Vision war, die Kirche so umzubauen, dass sich die Gemeinde rund um Altar (Tisch des Brotes) und Ambo (Tisch des Wortes) versammeln und in der Gemeinschaft Gottesdienst feiern kann.Von dieser Vision her begann ein Weg, auf dem manche von Anfang an mit Feuereifer dabei waren, andere erst überzeugt werden mussten - was nicht immer einfach war. Von Anfang an wurde unsere Gemeinde in die vielfältigen Entscheidungsprozesse mit einbezogen. In einem ersten Schritt stellten wir Pinnwände für Anregungen auf. Vorschläge, die hier jedes Gemeindemitglied anheften durfte, wurden gesammelt und in die Überlegungen mit eingebracht. So lauteten zum Beispiel einige Vorschläge: "Um den Altar versammeln"; "Altar und Ambo in die Mitte der Kirche"; "größere Nähe zu Altar und Ambo"; "mehr Licht"; "ein Kreuz"; "farbliche Neugestaltung" u.v.a.m. Sehr viele wünschten sich auch eine Rückzugsmöglichkeit für Gottesdienste mit kleineren Gruppen. Von Vielen mitgetragen.Bei einer Gemeindeversammlung mit ausführlichen Diskussionen beschlossen wir schließlich, das Wagnis einer grundlegenden Umgestaltung der Kirche einzugehen. In Wolfgang Fischer, Liturgiereferent des Bistums Mainz, fanden wir einen kompetenten Unterstützer in Fragen der Liturgie und Gottesdienstgestaltung sowie in Johannes W. M. Kepser aus dem benachbarten Dreieich–Dreieichenhain einen im Kirchbau erfahrenen Architekten und Künstler. Ihm übergaben wir die Wunschzettel der Gemeinde. Der zentrale Satz lautete: "Christus ist die Mitte, und das soll in unserer Kirche sichtbar werden.Von Anfang an waren die entsprechenden Behörden des Bischöflichen Ordinariats Mainz, vor allem das Diözesanbauamt, in alle Prozesse der Gestaltung und des Umbaus involviert. Die Gemeinde war und wurde über jeden Schritt der Renovierung informiert. Sie gestaltete den Umbau durch Anregungen mit und erlebte ihn. Sonst wäre das Projekt wohl zum Scheitern verurteilt gewesen. An dieser Stelle soll durchaus nicht unerwähnt bleiben, dass uns seitens einiger Gemeindemitglieder auch Skepsis begegnete - zumindest so lange, bis klare Konturen des Umbaus immer deutlicher wurden. Bei der Aussicht auf Veränderung kommt verständlicherweise auch Unbehagen auf. Anderen wiederum waren die Kosten viel zu hoch. Aber ein Stück Himmel auf Erden für Gott und die Menschen schaffen, dies sollte uns auch etwas wert sein. Diese Einstellung setzte sich nach und nach immer deutlicher durch. Noch jetzt fließen Spenden und schon ein Jahr nach der Einweihung haben wir keine Schulden mehr bei der Bank - nur noch bei privaten Darlehensgebern, die keine Zinsen verlangen. Das Geld brachten die Gläubigen übrigens zusätzlich auf; die Ergebnisse der großen Kollekten für die Not in der Welt wurden in dieser Zeit nicht geringer. Zunehmend begeisterte sich die Gemeinde an den Ideen des Architekten für den Umbau und identifizierte sich immer mehr damit. Eine große Hilfe war dabei das Kirchenmodell in größerem Maßstab, anhand dessen sich jeder vorstellen konnte, wie die Kirche in Zukunft aussehen sollte. Wichtig waren zudem die beiden ,Baustellen-Gottesdienste'. Es war bitterkalt, als die Gemeinde im Jahr 2002 auf Bierbänken zwischen den Baugerüsten die Christmette und wenige Monate später die Osternacht 2003 in der Baustelle Kirche feierte. Die Altarinsel, die im Rohbau schon fertiggestellt war, ließ bereits erahnen, wie sich die feiernde Gemeinde um den ins Zentrum gerückten Altar versammeln und wie der Raum künftig einmal aussehen würde. Inhaltliche AkzenteBeim Umbau wurden klare theologisch bedeutsame Akzente gesetzt:
Neue Handlungs-Schwerpunkte
Als Kostbarkeit angenommenBei der Kirchweihe am Patronatsfest, dem Christkönigsfest am 22. November 2003, sagte unser Bischof, Karl Kardinal Lehmann, in seiner Predigt: "Nach den anstrengenden Wochen der Bauphase vor der Weihe gilt es nun, neu Atem zu holen. Aber dann, nach dem Atemholen, spüren wir alle: Jetzt beginnt eine andere Phase unseres Einsatzes, jetzt gab es viel Aufbau von außen, jetzt muss es auch wieder stärker den Aufbau von innen geben, damit es dem, was wir gebaut haben, entsprechend wird. Deswegen wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen viel Mut und Kraft, den zweiten Mut sozusagen zu diesem Werk. Es ist schön, dass ein Werk auch heute so viele Menschen vereinigt, so viele Menschen zusammenführt. Ich denke, in Walldorf ist dies eine besondere Kostbarkeit. Hier sind Menschen aus so vielen Nationen, hier haben Sie auch eine so große Mobilität der Menschen, manche gehen, manche kommen, und hier leben Sie auch ganz in der Nähe unserer modernen Welt, in der Nähe des Flughafens, der großen Verkehrssysteme rund um das Rhein-Main-Gebiet inmitten von allen Strömungen und Tendenzen, die in unserer Gesellschaft sind. Darum ist es gut, dass der Kirche dieses Werk gelungen ist, dass wir die Möglichkeit haben, uns zu versammeln mit dem Herrn und König aller Zeiten."Inzwischen haben wir alle Hochfeste des Kirchenjahrs in unserem neuen, hellen und freundlichen Gotteshaus gefeiert. Außer montags ist die Kirche täglich geöffnet. Es kommen auffallend viele Menschen zu einem kurzen Besuch in die einladende Kirche zu einem stillen Gebet und Verweilen. Die Gottesdienste sind gut bis sehr gut besucht, und es finden sich viele willkommene Gäste ein. Der neugestaltete helle Kirchenraum hat eine völlig neue Atmosphäre geschaffen und die Anordnung der Bänke um die Altarinsel hat zu einem intensiveren Miteinander der Gottesdienstbesucher geführt, was uns mit großer Freude erfüllt. Die Kirche wirkt während der Gottesdienste nie leer, und es scheint so, dass sie auch nicht leerer wird. Die Begeisterung ist nach wie vor groß, das zeigen viele persönliche Gespräche und die nicht versiegende Spendenbereitschaft. Das Ergebnis zeigt uns, dass die Entscheidung für den radikalen Umbau und die Neugestaltung der Christkönigskirche im Sinne des II. Vatikanischen Konzils richtig war. Geholfen hat uns dabei der ausführliche Prozess mit den Gemeindemitgliedern und die Gnade unseres lieben Gottes, der in seiner Allmacht begeisterungsfähige und kompetente Menschen zusammengeführt hat, die dieses gelungene Werk zu seiner großen Ehre gemeinsam geschaffen haben. Jutta Rippegather, Isabell Bienias, Paul Nieder |
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